Texten ist für Marketers ein wichtiges Thema und Teil der täglichen Arbeit. Heute müssen wir online und offline fit darin sein. Wir haben unserer Dozentin Ulrike Brandmeier im Interview einige Fragen gestellt. Ihre Ratschläge werden Euch in Zukunft helfen.

Was ist für Dich die größte Herausforderung beim Online-Texten für Websites?

Die größte Herausforderung ist, die unterschiedlichen Anforderungen von User und Suchmaschine unter einen Hut zu bekommen. Der User möchte es gerne leicht erfassbar und überschaubar.
Seine vorrangigen Fragen lautet: Bin ich hier richtig? Finde ich hier, wonach ich suche? Diese Fragen muss die Website schnell beantworten.
Die Suchmaschine hingegen will viel Content zum Thema. Hier lautet die vorrangige Frage: Bietet die Website etwas Substanzielles und Neues? Ist der Website-Betreiber eine „Autorität“ auf diesem Gebiet? Je kleiner der Bildschirm, desto schwieriger ist es, diese Brücke zu schlagen. Da muss man mit dem Webdesigner kreativ werden. 

Grundsätzlich gilt jedoch: Je besser es dem User gefällt, desto besser findet es auch die Suchmaschine.

 

Wo liegen die großen Unterschiede zum Texten für ein Print-Medium?

Bei Online-Medien muss alles noch viel schneller gehen. Es ist anstrengender, online zu lesen. Es gibt Studien, nach denen 80 % der Online-Texte gar nicht gelesen werden. Erschreckend für einen Werbetexter. Deshalb ist es so wichtig, gleich zu Anfang die großen „stummen“ User-Fragen zu beantworten. Wenn ich den User hier nicht motiviere, tiefer in die Seite einzusteigen, ist er weg. Dann fängt er gar nicht erst an, mit der Seite zu interagieren, also zu scrollen oder zu klicken. Auch wenn wir uns inzwischen an das Scrollen gewöhnt haben, nimmt die Aufmerksamkeit Richtung Website-Fuß deutlich ab. Bei Print-Medien haben wir immer gleich die ganze Seite vor Augen. Es ist leichter, durch die richtige Anordnung von Texten und Bildern Blickregie zu führen. Außerdem liest in Print-Medien die Suchmaschine nicht mit. Da kann ich mich voll und ganz auf den User konzentrieren. Das Keyword-Texten entfällt. Ein weiterer Punkt: Wenn man aus dem Print-Texten kommt, sollte man sich vom „schönen“ Textfluss verabschieden. Das Responsive Webdesign zerhaut einem oft alles: Vordefinierte Absatzhöhe, festgelegter Zeilenumbruch, schöner Flattersatz … alles Print-Luxus.

Was erwartet Teilnehmer Deines Seminars?

Es ist immer wieder schön, die Aha-Erlebnisse im Seminar zu beobachten. Ich mache gerne den Test und blende eine Teilnehmer-Website für 5 Sekunden ein, was für einen 1. Kurz-Dialog schon lang wäre. Anschließend frage ich die anderen Teilnehmer, um was es ging, was sie gesehen haben, an was sie sich sonst noch erinnern? Da zeigen sich meistens schon die ersten Filter. Wenn die Teilnehmer sich mit Text-Beispielen von den eigenen Webseiten durch 8 Redigier-Stufen arbeiten, merken sie sofort, wo es hängt. Und da alle Teilnehmer die gleichen Texte redigieren, hat man anschließend viele neue Anregungen gewonnen. Jeder schreibt im eigenen Stil, und oft hilft die Distanz zum Produkt und zu den internen Restriktionen, freier zu texten. Beim Texten redet ja quasi jeder mit. Die Checkliste versetzt die Teilnehmer in die Lage, aus Suchmaschinen- und Usersicht zu argumentieren. Nur darauf kommt es schließlich an.

Was macht Dir beim Online-Texten am meisten Spaß?

Dass man es jederzeit wieder ändern kann. Und die Mischung aus Technik und Kreativität. Ich habe einen sehr „technischen“ SEO-Rahmen, und aus diesem Rahmen muss ich als Online-Texter das Maximum an Lesespaß für meine Zielgruppe herausholen. Bei mir fördert das die Kreativität. Es gibt allerdings auch Leute, die ein solcher Rahmen eher einengt. Deshalb üben wir im Seminar viel – an eigenen und an fremden Texten. Bei fremden Texten ist das Redigieren immer einfacher.

Was ist ein Tipp für das Texten Online, den alle (die diesen Beitrag lesen) sofort anwenden können?

Macht mal den kleinen SEO-TÜV. Mit „Strg+U“ kann man sich im Browser den Quelltext jeder beliebigen Website anzeigen lassen. Beim Apple geht das nur über das Entwickler-Menü. Und dann mit „Strg+F“ nach „description“ oder „h1“ suchen. Wenn beides da ist und jeweils einen Text mit dem Keyword enthält, für das die Seite ranken soll, sieht es SEO-technisch schon mal nicht so schlecht aus.

Danke für das Interview!

 

Haben wir Euer Interesse geweckt? Mehr Wissen und praktische Fertigkeiten könnt Ihr Euch im Seminar Online-Texten für Websites aneignen.